Kooperation ist kein Zufall – sie ist eine strategische Entscheidung

Kooperation ist kein Zufall – sie ist eine strategische Entscheidung

Warum Spieltheorie, emotionale Intelligenz und Vertrauen die Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit bilden.

In den vergangenen Monaten habe ich mich intensiv mit einem Thema beschäftigt, das aktueller kaum sein könnte: Kooperation. Ja, ich arbeite da wieder mal an einem Buch mit: Exzellente Unternehmenskooperation (angelehnt an die ISO 44001).

Viele betrachten Wirtschaft oder Verhandlungen als ein Spiel mit Gewinnern und Verlierern. Ein Denken nach dem Motto: Ich gewinne nur, wenn der andere verliert. Doch genau dieses Verständnis greift zu kurz, wie wir an vielen aktuellen politischen Beispielen sehen können. Hat Donald Trump den Krieg mit dem Iran nun gewonnen oder verloren?

Wie Simon Sinek in seinem Konzept des Infinite Game beschreibt, ist Wirtschaft kein endliches Spiel mit klaren Siegern und Verlierern. Unternehmen, Organisationen und Gesellschaften bewegen sich vielmehr in einem fortlaufenden Prozess. Es gibt keinen endgültigen Gewinner – sondern nur die Frage, wie nachhaltig Beziehungen gestaltet werden. Die Spieltheorie liefert dazu spannende Erkenntnisse. Das bekannte Prinzip Tit for Tat zeigt, dass erfolgreiche Kooperation häufig dadurch entsteht, dass jemand den ersten Schritt macht und kooperatives Verhalten anbietet. Gleichzeitig beobachten andere sehr genau, wie wir handeln – auch dann, wenn sie gar nicht unmittelbar beteiligt sind.

Jede Verhandlung, jede Zusammenarbeit und jede Entscheidung zahlt deshalb auf unsere Reputation ein. Vertrauen entsteht nicht durch Worte. Vertrauen entsteht durch beobachtbares Verhalten. Genau deshalb lohnt sich Kooperation selbst dann, wenn sie kurzfristig keinen unmittelbaren Vorteil bringt. Langfristig schafft sie Verlässlichkeit, stabile Beziehungen und neue Möglichkeiten.

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Dieses Argument greift auch das Buch von Martin Kocher und Matthias Sutter auf, indem sie schreiben „Gemeinsam stark – Kooperation und Vertrauen: Der Schlüssel zum Erfolg in Wirtschaft, Politik und Arbeitsleben.” Martin Kocher war ja bekannterweise Minister, bevor er Gouverneur der österreichischen Nationalbank wurde. Das Buch ist mit seinem früheren Forschungskollegen verfasst.

Sie nennen gleich zu Beginn zwei zentrale Beispiele: Eines dieser Produkte, das vermutlich fast jeder von uns schon vielfach verwendet hat, ist »Street View«. Im Jahr 2007 begann Google gemeinsam mit der University of Washington und der University of California, Berkeley, an dem Projekt »Street View« zu arbeiten. Es zielte darauf ab, mithilfe von Satelliten- und Straßenbildern die Welt umfassend darzustellen. Die Zusammenarbeit zwischen Google und den Universitäten führte zu einer verbesserten Karte der Welt und zu einer Vielzahl von Anwendungen wie der Navigation und der Planung von Routen. Was uns bei der Navigation im Alltag oder auf Reisen heutzutage als ganz selbstverständlich gilt und die Orientierung vereinfacht, ist also das Ergebnis der Kooperation mehrerer Akteure. Möglicherweise hätte jeder von ihnen alleine das Produkt gar nicht entwickeln können, und sicher nicht zu diesem Zeitpunkt.

Ob wohl Australien noch bewohnbar wäre, wenn es unser zweites Beispiel für erfolgreiche Kooperation nicht gegeben hätte? Heute von vielen bereits vergessen, entdeckte man in den 1980er-Jahren, dass über dem Süd- und Nordpol die schützende Ozonschicht immer dünner wurde und so verstärkt schädliche UV-Strahlung auf die Erdoberfläche traf. Das sogenannte Ozonloch stellte vor allem für Australien eine signifikante Gesundheitsbedrohung dar; die Anzahl an Personen mit Hautkrebs stieg rasch an. Während es zuerst weiterer Forschung zur Identifizierung des Problems bedurfte – wofür Mario J. Molina, Frank Sherwood Rowland und Paul J. Crutzen 1995 den Nobelpreis für Chemie erhielten -, ging es nach der Entdeckung der schädlichen Wirkungen von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW aus Spraydosen und Kühlmitteln) darum, politische Maßnahmen zur Vermeidung des weiteren Ausstoßes von FCKW zu setzen. So entstand im Jahr 1987 durch das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht ein weltweites Umweltabkommen aller Regierungen. Diese internationale Vereinbarung trug wesentlich dazu bei, dass die ozonabbauenden FCKW durch andere Stoffe ersetzt wurden und sich die Ozonschicht langsam wieder erholen konnte.

Die Beispiele machen deutlich, dass man durch Kooperation mehr erreichen kann. Sie zeigen auch, wie wichtig es ist, anderen bei der Zusammenarbeit vertrauen zu können. Aber häufig scheitert Kooperation und Vertrauen geht verloren. Jeder kennt Fälle in seinem privaten oder beruflichen Umfeld, wo Kooperation nicht funktioniert und wo Vertrauen zerstört wurde. Umso wichtiger ist es, die zentralen Faktoren zu kennen, die Kooperation, Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit zum Erfolgsmodell machen.

• Welchen Einfluss hat Führung auf Kooperation und Vertrauen in Gruppen?

• Warum ist ein Vertrauensvorschuss so wirksam, um Kooperation zu ermöglichen?

• Weshalb ist das Motto »Wie du mir, so ich dir« ein Rezept für Erfolg in Gruppen, indem es an Gegenseitigkeit und Fairness appelliert?

• Wirkt Belohnung oder Bestrafung besser zur Förderung und Erhaltung von Kooperation?

• Sind nicht-monetäre Anreize ebenso wirksam zur Erhöhung von Kooperation und Vertrauen wie monetäre Anreize?

• …

Kooperation beginnt im Kopf

Dabei wird häufig ein weiterer entscheidender Faktor übersehen: unsere emotionale Intelligenz.

Unsere Entscheidungen entstehen nicht ausschließlich rational. Jede Erfahrung, die wir im Laufe unseres Lebens machen, wird gemeinsam mit einer Emotion abgespeichert. Dieses Prinzip prägt unser späteres Verhalten – auch in Verhandlungen und Kooperationen.

Ob wir Vertrauen schenken, Risiken eingehen oder Zusammenarbeit ermöglichen, hängt deshalb nicht nur von Methoden oder Verträgen ab, sondern ebenso von unseren Erfahrungen, Emotionen und unserer Fähigkeit, diese bewusst wahrzunehmen.

Kooperation ist deshalb weit mehr als ein Werkzeug, sie ist eine Haltung.

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Kooperation kann man lernen

Die gute Nachricht lautet: Erfolgreiche Zusammenarbeit ist kein Zufall. Sie lässt sich gestalten. Und damit wären wir wieder bei der ISO Norm. Genau darum geht es in den Weiterbildungsangeboten von Austrian Standards. Sie vermitteln praxisnah, wie Kooperationen aufgebaut, gesteuert und nachhaltig erfolgreich gestaltet werden können.

Empfehlenswerte Angebote sind:

Diplomierte:r Kooperationsmanager:in nach ISO 44001

Kooperation wirkt

Kooperation gestalten – Mit System zum Erfolg

Kooperation statt Konkurrenz

Die Herausforderungen unserer Zeit werden nicht durch mehr Wettbewerb allein gelöst. Sie werden durch Menschen und Organisationen gelöst, die Vertrauen aufbauen, Beziehungen pflegen und Kooperation strategisch gestalten.

Denn am Ende ist nicht die entscheidende Frage, wer gewonnen hat. Sondern, wer auch morgen noch gemeinsam erfolgreich sein kann.

Kooperation ist kein Zufall – sie ist eine strategische Entscheidung

Warum es in unserer Natur liegt, zu kooperieren

Im biologischen und auch im wirtschaftlichen Sinne ist Kooperation eine praktikable Lösung, um sich schneller an veränderte Lebens- und Umweltbedingungen anzupassen. 

Unternehmen müssen sich immer wieder anpassen: Märkte verändern sich, neue Produkte sind gefragt, Kunden brechen weg, neue müssen akquiriert werden. Aktuell bringt die Digitalisierung tiefgreifende Veränderungen und damit hohen Anpassungsbedarf. Das Deutsche Zukunftsinstitut prognostiziert mehr Wertschöpfungsnetzwerke statt der bisher gewohnten Wertschöpfungsketten.

Dieser „struggle for life“, dieser Überlebenskampf, ist für die Natur nichts Neues. Sie hat vielmehr ein Prinzip entwickelt, das schnelle Anpassung möglich macht: Kooperation.

Eigeninteresse versus gemeinsames Interesse

Kooperation findet in der Natur in vielfacher Form statt. Und eines haben alle Kooperationsformen gemein: Das Eigeninteresse (Egoismus) ist dabei dem gemeinsamen Interesse (Altruismus) – meist zeitweise – untergeordnet.

Ziel einer Kooperation ist es, die eigene biologische Fitness (Überleben, Nahrung, Fortpflanzung) im Moment oder für die Zukunft zu stärken. Im biologischen und auch im wirtschaftlichen Sinne ist Kooperation eine praktikable Lösung, um sich schneller an veränderte Lebens- und Umweltbedingungen anzupassen.

Auch uns Menschen hat die Evolution ein paar ganz natürliche Kooperationsmechanismen mitgegeben.

Spiegelneuronen

Spiegelneuronen machen Situationen – ob im Guten oder Schlechten – vorhersehbar und lassen uns ahnen, was kommen könnte. Wenn wir aufbauend auf unsere Empathie und Intuition, ausgehend von unseren eigenen Interessen, die gemeinsamen Interessen in den Blickpunkt nehmen, erreichen wir eine hohe Effizienz bei der Bewältigung von Problemen und Aufgaben in der gemeinsamen Umwelt, d.h. wir kooperieren.

Menschen sind „Drogen“ für andere Menschen

Die Begründung dafür ist im Motivationssystem des menschlichen Gehirns zu finden. Die Macht des Motivationssystems beruht darauf, dass die Nervenzellen dieses Systems Botenstoffe produzieren, ohne die wir uns gar nicht wohlfühlen, ja ohne die wir auf Dauer gar nicht leben können.

Von anderen Menschen Vertrauen zu erleben und zu sehen, dass Mitmenschen bereit sind, in einer konkreten Situation mit der eigenen Person zu kooperieren, wird vom Motivationssystem mit einer sofortigen Reaktion beantwortet. Das im Mittelhirn lokalisierte Motivationssystem schüttet bei erlebter Fairness, Vertrauen und sozialer Akzeptanz sogenannte Wohlfühl-Botenstoffe aus. Dies sind Dopamin (der Botenstoff, der auch bei Drogenkonsum ausgeschüttet wird) und körpereigene Opioide.

Somit ist biologisch eindeutig nachvollziehbar: Wir erleben Wohlbefinden, wenn wir Vertrauen erleben und wenn wir etwas mit anderen tun. Wenn wir dann die richtigen Dinge tun, führt uns dies auch noch zu einem wirtschaftlichen Erfolg.

Der legale Dopamin-Kick

Aus all diesen Kooperationsprinzipien in der Natur kann man folgende Tipps für kooperatives Handeln in Unternehmen ableiten:

  • am Beginn viele und kurzfristige Angebote bieten
  • durch Vorleistung Vertrauen schaffen
  • Kooperation ausführen, wenn die anderen hinsehen
  • Vorleistung und Kooperation der anderen beachten
  • Kommunikation geht Kooperation voraus
  • jeder sollte wissen, wo sein Platz, was sein Aufgabengebiet ist
  • exakte Kommunikation ist Bedingung für Koordination
  • in der Gelassenheit und Beharrlichkeit liegt die Kraft
  • Erfolgreiche Kooperationen entstehen nicht von heute auf morgen.
  • Kooperationen brauchen Ziele, die nach Erreichen auch gemanagt werden können.

Und sollte es mal nicht funktionieren: Mit klaren Regeln „kämpfen“.

Widmann und Seibt (2016):
Zukunftsmodell Kooperation
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